September
So Mo Di Mi Do Fr Sa
27 28 29 30 31 1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30

Jesus und die Kranken
Immer wieder berichten die Evangelien von der Zuwendung Jesu zu den Kranken. Kranke stehen im Mittelpunkt seines öffentlichen Wirkens. Sie drängen sich um ihn, und er wird nicht müde, auf sie einzugehen. Durch seine Berührung erhoffen und finden sie Heilung. „DIR GESCHEHE, WIE DU GEGLAUBT HAST.“ (Mt 8,13; 9,29)
Was hat die Menschen in der Berührung mit Jesus geheilt? Wir hören nichts von einer medizinischen Behandlung. Es geht auch nicht um Zauberei. Es ist die Begegnung mit ihm, die sie aufrichtet. Sie erfahren in dieser Begegnung: Krankheit ist das Gegenteil von dem, was der Gott, den Jesus verkündet, „der Vater im Himmel“, für sie selbst und für alle Menschen will. Sie spüren: GOTT WILL, DAS ICH LEBE UND DAS LEBEN IN SEINER GANZEN FÜLLE HABE.
Wenn die Blinden und Tauben, die Aussätzigen und Lahmen durch die Zuwendung, das Wort und die Berührung Jesu gesund werden, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Gott des Lebens Herr ist und Macht hat über Krankheit und Tod, Macht, allen Leidenden den Sieg des Lebens zu schenken. Endgültig hat Jesus uns diesen Sieg jedoch offenbart am Kreuz; in seinem Leiden hat er all unsere Krankheiten und Leiden auf sich genommen bis in Sterben und Tod hinein – und in seiner Auferstehung für uns alle den Sieg des Lebens vollendet. „ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN.“ (Joh 11,25)
Wo Jesus der Krankheit begegnet, fühlt er sich herausgefordert, diesen Sieg des Lebens zu offenbaren. Da wird auch an uns – in der einen oder anderen Weise – der österliche Sieg des Lebens offenbar. Da unterliegen wir Menschen nicht mehr passiv dem Schicksal von Krankheit und Tod, da ist die Macht der Krankheit und des Todes gebrochen, da bricht Gottes Herrschaft an, da kommt Gottes Reich.
Vor allem erfahren die Menschen in der Begegnung mit Jesus: Gott wirft mir nichts vor. Auch wenn es Schuld und Sünde gibt in meinem Leben: die Krankheit ist nicht Gottes Antwort darauf, sie ist nicht Gottes Strafe. Sie ist ein Leid. Ihre Ursachen hat sie in den Zusammenhängen unseres irdischen Daseins, manchmal gewiss auch in menschlichem Verschulden, eigenem und fremden – aber nicht im Willen Gottes.
Gott will die Krankheit nicht, will mir darin aber nahe sein. Sein Wille ist allein darauf gerichtet, mich durch seine liebende, alles vergebende Nähe aufzurichten und mir zu helfen, dieses Schicksal zu tragen und zu überwinden, damit ich das LEBEN habe.


Die Krankensalbung – Zeichen des Lebens
Die Krankensalbung macht uns Jesus so gegenwärtig, wie er sich in seinem irdischen Leben der Kranken angenommen hat. Wir erfahren darin seine Zuwendung und Berührung in unserer eigenen Krankheit und Schwäche. Wie für so viele Menschen damals, wird auch für uns die Begegnung mit Jesus im Zeichen der heiligen Salbung zu einer Quelle der Kraft.
Jesus selbst spricht uns darin im Namen Gottes das volle Recht auf LEBEN zu. Damit ermutigt er uns zu allem, was zur Überwindung der Krankheit beitragen kann, spricht sein Ja zu allen sinnvollen Möglichkeiten ärztlicher Behandlung, zu allen pflegenden Dienstleistungen, zu aller einfühlenden psychologischen und seelsorglichen Begleitung, zu aller liebenden Unterstützung durch Angehörige und Freunde.
Das Zeichen der Salbung schenkt uns die Kraft, unter der Last der Krankheit dennoch zum Leben JA zu sagen. Alle medizinische Behandlung hängt ja daran, wie der Kranke darauf mit Körper, Seele und Geist reagiert. Auch die körperliche Heilung braucht die innere Aufrichtung des kranken Menschen, die Erneuerung seines JA zum Leben, das durch das Schicksal der Krankheit erschüttert wurde. Aus diesem erneuerten JA entspringen die Kräfte der Selbstheilung, die mit der Hilfe von außen zusammenwirken und manchmal so stark sind, dass Heilung „wie durch ein Wunder“ geschieht.
Der Sieg des Lebens, den uns dieses Zeichen schenkt, befreit uns aber auch dazu, uns mit der Wahrheit zu konfrontieren, wo medizinische Hilfe nicht mehr möglich ist, und gibt uns den Mut, in eigener Verantwortung die Grenzen der erwünschten Therapie festzulegen. Schließlich empfangen wir daraus auch die Kraft, uns – gemeinsam mit allen, die uns mit ihrer Anteilnahme und Zuwendung beistehen – im Blick auf das Kreuz und den österlichen Sieg Jesu einzulassen auf den letzten Weg und unser Leben in Frieden zu beschließen.


Wer kann die Krankensalbung empfangen?
Das Zeichen der Krankensalbung hat daher seinen Platz, wo eine Krankheit beginnt beherrschendes Thema unseres Lebens zu sein, und kann bei schwerwiegenden Wenden im Verlauf der Krankheit wiederholt werden. Die Krankensalbung kann empfangen werden
•    anlässlich der Diagnose einer schweren Krankheit,
•    vor einer Operation oder zum Beginn einer tief greifenden therapeutischen Maßnahme oder Behandlung,
•    anlässlich der Entscheidung, sich – statt noch weiter um Heilung oder Verlängerung des Lebens zu kämpfen – auf die lindernde Begleitung zu konzentrieren,
•    in Todesnähe.
Die Krankensalbung kann auch alten Menschen gespendet werden als Stärkung und Ermutigung unter den Gebrechen des Alters, auch psychosomatisch oder psychiatrisch Erkrankten, die etwa an starken, chronischen Schmerzen, an Depressionen, Ängsten oder Zwängen leiden. Sie kann schließlich auch einem Menschen gespendet werden, der nicht bei Bewusstsein ist, wenn durch seine religiöse Einstellung, seine früheren Äußerungen oder durch die Menschen, die ihm nahe stehen, bekannt ist, dass dies in seinem Sinne ist.
Der Tod ist das tragische Ende der Krankheit. Gleichzeitig erlöst er aber auch daraus. Verstorbenen wird daher die Krankensalbung nicht mehr gespendet. Sie können durch ein eigenes Segensgebet des Seelsorgers den Leben schenkenden Händen Gottes, des Schöpfers, anbefohlen werden – nach dem Beispiel Jesu bei seinem eigenen Sterben am Kreuz: „VATER, IN DEINE HÄNDE LEGE  ICH MEINEN GEIST.“ (Lk 23,46)

Die Krankensalbung – Zeichen der Verbundenheit
Eine Krankheit betrifft nie nur den kranken Menschen selbst; sie hat immer auch eine gemeinschaftliche Seite. Das gilt ebenso für das neue JA zum Leben, das er unter dem Schicksal der Krankheit sprechen muss. Alle, die sich ihm in Familie und Freundschaft verbunden fühlen, tragen dieses Ja zum Leben mit und werden so für den kranken Menschen zu einer Quelle der Kraft.
Wenn der Kranke es wünscht, sind darum die Angehörigen eingeladen, die Krankensalbung mitzufeiern. In der gemeinsamen Feier erneuert dieses heilige Zeichen das gegenseitige JA des Kranken und der ihm Nahestehenden und stärkt deren Entschiedenheit, Last und Leid dieses Schicksals in der Kraft der Liebe, der Hoffnung und Geduld mit zu tragen, sodass die Krankheit nicht in eine notvolle Isolierung führt, sondern in eine neue und tiefere menschliche Verbundenheit, die in der Liebe Gottes gründet und Geborgenheit schenkt selbst noch im Sterben, ja, über den Tod hinaus.

Wie wird die Krankensalbung gespendet?
Der Priester vollzieht das Zeichen der Krankensalbung durch
•    Gebet (Fürbitte, stilles Gebet, Lobpreis),
•    Handauflegung und
•    Salbung mit dem geweihten Krankenöl auf die Stirn und die beiden Hände.
Vorbereitet wird dieses Zeichen durch eine Lesung aus der Heiligen Schrift und das Gebet eines Psalms, durch ein Bekenntnis der Schuld und die Bitte um Vergebung. Den Abschluss bilden das Vater Unser und der Segen.

Wenn Sie oder einer Ihrer Angehörigen die Krankensalbung empfangen möchte, wenden Sie sich bitte an eines unserer Pfarrbüros oder sprechen Sie einfach einen der Seelsorger an.


(Dieser Artikel greift im Wesentlichen auf eine entsprechende Handreichung der Krankenhausseelsorge des Trierer Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen zurück. Bruder Leo war dort bis September 2009 Klinikpfarrer)